Deutsche Sprache, schwere Sprache

Oder wie italienische Pflegekräfte in Deutschland zu Ingenieuren werden.

Zweimal im Jahr fahre ich mit Arbeitgebern, meist Pflegedienstleitern oder Pflegedirektoren, nach Italien. Sie suchen – wie sollte es anders sein -  Pflegekräfte.

 

Der Pflegeberuf wurde dort akademisiert und das merkt man den Kandidaten an. Die meisten Kandidaten kommen frisch von der Uni und wenn viele Arbeitgeber oftmals bei den Auswahlgesprächen etwas enttäuscht sind, dass die meisten Kandidaten über wenig bis gar keine Arbeitserfahrung verfügen (abgesehen von den Praxisblöcken des Studiums), so sollten sie sich andererseits freuen, dass sie noch so junge, agile und lerngewohnte Menschen vor sich sitzen haben.

 

Denn wir – als Deutsche - machen uns keine Vorstellung davon, wie schwer zugänglich unsere Sprache tatsächlich ist. Angefangen bei der Phonetik, über die Wortkomposita, bei denen den meisten Teilnehmern in der Mitte des Wortes beim Lesen die Puste ausgeht, bis hin zur Tatsache, dass im deutschen Satz alles – wie sollte es anders sein – seine Ordnung hat und jedes Wort – um es mal überspitzt zu sagen – seinen Platz. Ach so, das Verb am Ende macht dann wirklich alle komplett kirre.

Ich sage den Teilnehmern dann immer, ihr lernt hier keine Sprache, ihr werdet zu Ingenieuren und müsst von nun an brav Sätze bauen. Die Grammatik ist euer Bauplan!

Jedes Wort bedarf also nicht nur einer lexikalischen, sondern immer auch einer eingehenden syntaktischen Reflektion. Wer schnell denkt, ist dann beim Sprechen klar im Vorteil. In der Anfangszeit kann selbst die Konstruktion eines einfachen Satzes dann doch schon mal fast eine Minute in Anspruch nehmen.

Ich habe schon viele Teilnehmer aus Drittländern gesehen, die über Italien zu uns gekommen sind. Sie waren zuversichtlich, dass die Sprache kein Problem für sie darstellen würde, sie hatten ja leicht und gut Italienisch gelernt. Großer Irrtum!

Denn tatsächlich ist Italienisch im Gegensatz zum Deutschen eine sehr leicht zugängliche Sprache. Wer Deutsch lernen will, muss hohe Hürden nehmen.

 

Dessen wurden sich die Kandidaten mit der Zeit bewusst und nicht wenige sind an der deutschen Sprache gescheitert. Das ist ein großes Problem, denn zur Anerkennung des Abschlusses gehört ein B2 Zertifikat und es hat einfach nicht jeder die Voraussetzungen dafür diese Prüfung überhaupt zu bestehen und schon gar nicht in so kurzer Zeit.

Ohne B2 Zertifikat wird der Kandidat allerdings immer im Helferstatus bleiben.

Das ist sowohl für den Teilnehmer als auch für den Arbeitgeber frustrierend.

Gleiches gilt übrigens auch für die etwas älteren Semester. Denn die Regel ist: je älter, desto langsamer beim Sprachenlernen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

 

Also frische Köpfe direkt von der Uni: bitte ja! Denn ihnen kann man am ehesten zutrauen ein B2 Zertifikat in abenteuerlichen sieben Monaten zu bestehen und somit voll einsatzfähig zu sein.